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Entwicklung der Identität im Kindesalter

Entwicklung der Identität im Kindesalter

Die Identität entsteht erst, indem das Kind in seinem vollständigen Ausdruck gebremst oder abgewiesen wird. Einschränkung oder Abweisung sind Teil eines natürlichen Entwicklungsvorgangs. Eine solche Abweisung ergibt sich zum Beispiel, wenn das Kind nicht mehr an die Mutterbrust darf. Die vollständige Symbiose mit der Mutter wird eigentlich schon vor der Geburt nach und nach abgebaut. Ganz bestimmt aber, während des ersten Lebensjahres. Zurückweisungen, Verlassenheit, Einsamkeit – all das muss das Kind erst erfahren, damit es durch sein Leben lernt, dass es sich nicht ungehindert äußern darf. Es lernt, welche seiner Verhalten akzeptiert wird und welche nicht. Es lernt, was Liebe und was Nicht-Liebe bedeutet. Auf diesem Wege wächst seine Identität.

Um das Entstehen des negativen Glaubens als Folge von Zurückweisung besser verstehen zu können, sind zwei Aspekte dieser Abweisung besonders wichtig. Denn sie verstärken einander:

Das ist zum einen die Selbstverständlichkeit der Zurückweisung und zum anderen der Selbstschutz dagegen. Die Selbstverständlichkeit ergibt sich aus dem Umstand, dass das Kind noch keine Verhaltensmuster hat. Das Kind kennt keine Maßstäbe, weil es die Zurückweisung noch nicht im Verhaltensmuster eingegeben hat. Daher kann es gar nicht anders, als eine Abweisung auf sich selbst durch Rückschlüsse zu beziehen. Dadurch entsteht das negative Selbstbild. Und das ist auch der Grund, warum der negative Glaube in jedem Menschen ein schlummerndes, selbstverständliches Dasein fristet – oft knapp unter der Oberfläche des selbstbewussten Denkens.

Das Kind empfindet diese Zurückweisung als sehr schmerzhaft. Erwachsene, die schon einmal von einem anderen eine Zurückweisung bekamen, erkennen diesen Schmerz, den wir alle als Kind erfahren haben. Vor allem elterliche Zurückweisungen sind sehr schmerzhaft, dadurch blockiert man sich nach und nach mit dem Verhalten und schwächt es ab.

Zunächst geschieht dies spontan ohne Selbstbewusstsein, doch anschließend setzt die selbstverständliche Schlussfolgerung ein, dass die Spontanität nicht gut gewesen sein kann. Daher wird der spontane Ausdruck blockiert.

Ein einfaches Beispiel hierzu: Das Kind ist voller Energie und Freude und äußert das auch, indem es auf Sofas und Sesseln herumhopst. Die Mutter ist müde und kann die Lebhaftigkeit nicht gut ertragen… sie reagiert gereizt:

Zuerst sagt sie, dass das Kind damit aufhören soll, dann werden die Worte konkreter und sie bewertet das Kind: „Was machst du nur für einen Krach!“ und zu guter Letzt: „Du hörst nicht auf deine Mama… du bist ungezogen!“

Hier lernt das Kind: „Ich darf nicht spontan und fröhlich sein“ und schon hat eine Selbstabweisung stattgefunden, denn es sagt sich nun selbst: „Ich war nicht lieb, weil ich etwas gemacht habe, was nicht richtig war“.

Als Erwachsener ist uns dieser negative Glaube nicht bewusst. Wir assoziieren Spontanität sogar mit albernem, kindischem Handeln und mangelndem Selbstbewusstsein.

Diese Aussagen müssen aber nicht zu einer Blockierung der Spontanität führen. Es gibt ja auch Menschen, die ihre Impulsivität als lästigen  Makel empfinden, das einfach nicht zu kontrollieren ist. Dadurch verstärken sie ihren negativen Glauben über sich selbst noch mehr.